Die europäischen Autohersteller stehen vor einer Reihe von Herausforderungen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem globalen Markt für Elektromobilität beeinträchtigen. In den letzten Jahren haben sich strukturelle Schwächen und strategische Versäumnisse gezeigt, die den Druck auf die Branche erhöhen. Dieser Bericht beleuchtet die wesentlichen Problembereiche.
1. Fehlen einer staatlich subventionierten Plattform mit Normteilen
Europäische Autohersteller haben bisher keine einheitliche, staatlich subventionierte Plattform entwickelt, die als Basis für kostengünstige und standardisierte Elektrofahrzeuge dienen könnte. Anders als in China oder den USA, wo Regierungen gezielt Plattformen und Innovationen fördern, fehlt in Europa eine koordinierte Unterstützung. Normteile, die eine kosteneffiziente Produktion ermöglichen, wie z.B. genormte Batterien, könnten den Wettbewerbsvorteil gegenüber asiatischen und amerikanischen Herstellern erhöhen, wurden jedoch bislang vernachlässigt.
Am Beispiel Deutschland sah man, dass die Individuelle Förderung im Dezember 2023 plötzlich eingestellt wurde, aus Geldmangel. Hätte die Regierung nicht besser eine für alle Hersteller gemeinsam zu nutzende Plattform (analog zu einem Skateboard) subventioniert, auf der jeder Hersteller die eigene Karrosserie aufbauen hätte können? Hätte damit nicht der heutige Scherbenhaufen verhindert werden können?
Das Fehlen einer solchen Plattform führt zu:
- Höheren Produktionskosten durch fehlende Skaleneffekte.
- Inkompatibilität zwischen Herstellern, was die Zusammenarbeit erschwert.
- Verlangsamung der Innovationszyklen, da jedes Unternehmen eigene Standards verfolgt.
2. Rückstand bei der 800-Volt-Technologie
Die 800-Volt-Technologie ist ein entscheidender Fortschritt im Bereich der Elektromobilität, da sie schnellere Ladezeiten und höhere Effizienz ermöglicht. Während asiatische Hersteller wie Hyundai oder BYD diese Technologie zunehmend standardisieren, hinken europäische Hersteller hinterher. Viele europäische Modelle setzen weiterhin auf 400-Volt-Systeme, was zu Wettbewerbsnachteilen führt.
Die Konsequenzen dieses Rückstands:
- Längere Ladezeiten, die für Kunden ein entscheidendes Kriterium darstellen.
- Geringere Effizienz, insbesondere bei Hochleistungsfahrzeugen.
- Verlust von Marktanteilen an Hersteller, die diese Technologie bereits flächendeckend einsetzen.
3. Mangelnde Batterieherstellung in Europa
Trotz der zentralen Bedeutung von Batterien für Elektrofahrzeuge gibt es in Europa kaum Produktionskapazitäten für Lithium-Ionen-Batterien. Der Markt wird von asiatischen Unternehmen wie CATL, LG Chem und Panasonic dominiert, die sowohl technologisch als auch in Bezug auf Produktionsvolumen führend sind.
Herausforderungen durch fehlende Batterieproduktion:
- Abhängigkeit von Importen, was die Kosten und die Lieferkettenrisiken erhöht.
- Verpasste Wertschöpfung innerhalb Europas, die wirtschaftliche Chancen schmälert.
- Technologische Abhängigkeit von asiatischen Herstellern, was Innovationen hemmt.
Zwar gibt es Initiativen wie Northvolt und einige europäische Förderprogramme, doch diese Projekte stehen noch am Anfang und sind im globalen Vergleich unterdimensioniert.
4. Chinas Förderung von Elektrofahrzeugen seit 2009
China hat frühzeitig mit staatlicher Förderung und strategischer Planung auf die Elektromobilität gesetzt. Bereits seit 2009 investiert das Land massiv in die Entwicklung und Verbreitung von Elektrofahrzeugen. Dies umfasst:
- Subventionen für E-Auto-Hersteller.
- Ausbau der Ladeinfrastruktur.
- Unterstützung der Forschung und Entwicklung, insbesondere im Bereich Batterietechnologie.
Diese langfristige Förderung hat China eine marktbeherrschende Position verschafft. Heute ist das Land nicht nur der größte Markt für Elektrofahrzeuge, sondern auch führend in der Produktion von Batterien und Komponenten. Europäische Hersteller, die erst spät auf den Trend reagierten, kämpfen nun darum, den Rückstand aufzuholen.
Fazit und Ausblick
Die europäischen Autohersteller stehen vor einem kritischen Wendepunkt. Die Versäumnisse der Vergangenheit – fehlende Normplattformen, mangelnde Investitionen in 800-Volt-Technologien und Batteriefabriken sowie die schleppende politische Unterstützung – haben die Wettbewerbsposition Europas im globalen E-Auto-Markt geschwächt. Der frühe Vorsprung Chinas und die aggressiven Investitionen asiatischer und amerikanischer Konkurrenten verschärfen die Situation.
Um die Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen, sind folgende Maßnahmen erforderlich:
- Entwicklung einer einheitlichen, staatlich geförderten Plattform mit Normteilen.
- Förderung der Batterieproduktion durch Subventionen und strategische Partnerschaften.
- Investitionen in 800-Volt-Technologien und andere Innovationen.
- Langfristige politische Strategien, die klare Anreize für Elektromobilität schaffen.
Nur durch eine koordinierte Anstrengung zwischen Industrie und Politik kann Europa seine Position in der globalen Automobilbranche sichern und die Zukunft der Mobilität aktiv mitgestalten.